Steigende Inflationsdynamik nach dem COVID-Jahr

Baloise Asset Management
13. Mai 2021
Aussergewöhnliche Unterstützungsmassnahmen der Notenbanken und Regierungen kurbeln die Konjunktur und somit die Inflation an. Ein Blogbeitrag von Melanie Rama und Dominik Schmidlin.

Kommt jetzt der grosse Inflationsschub?

Um die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise abzufedern, haben Zentralbanken und Regierungen weltweit aussergewöhnliche Unterstützungsmassnahmen eingeführt. Durch die massiven Anleihekäufe der grössten Zentralbanken floss innerhalb eines Jahres rund viermal so viel Liquidität in das Finanzsystem wie im ersten Jahr der Finanzkrise. Zudem waren die Corona-Hilfspakete der Regierungen im letzten Jahr rund zweimal umfangreicher als im Jahr 2009. Und bereits wurden weitere Gelder für 2021 gesprochen. Dies kurbelt die Konjunktur und somit auch die Inflation an. 

Die publizierten Konsumenten- und Produzentenpreise für die USA lagen jüngst über den jeweiligen Konsensprognosen. Die 10-jährigen Breakeven-Inflationsraten stiegen Anfang Mai über die 2,5 %-Marke auf den höchsten Stand seit April 2013 (siehe Grafik unten). Die Bestätigung, dass sich die Inflation zu beschleunigen scheint, hat eine breite Diskussion über die weitere Entwicklung der Inflationsraten entfacht. Als Folge sind die Zinsen in den USA von ihren Tiefständen in 2020 um mehr als 120 Basispunkte angestiegen.

Zins- und Inflationsentwicklung USA

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Quellen: Baloise Asset Management, Bloomberg Finance L.P. per 10.05.2021

Wir erwarten, dass die Inflation in den USA und Europa in den nächsten Monaten die Ziele der Zentralbanken übertreffen wird. Dieser Anstieg ist jedoch nicht nur auf die eingangs erwähnten Massnahmen zurückzuführen. Insbesondere Basiseffekte und angebotsseitige Engpässe aufgrund der wirtschaftlichen Wiedereröffnung sind die inflationstreibenden Kräfte für 2021. Diese dürften gegen 2022 aber wieder etwas nachlassen. In der Zwischenzeit kommt es in gewissen Segmenten jedoch zu heftigen Preisanstiegen. Denn es herrscht bereits jetzt ein Mangel an Containern, Computerchips und anderen Industriegütern. Hintergrund dafür sind die Auswirkungen der Pandemie auf die globale Schifffahrt und die Geschäftsplanung, welche zunächst von der Tiefe des Einbruchs der wirtschaftlichen Aktivität und der anschliessenden Gegenbewegung überrascht worden sind.

Kurz gesagt, das Angebot kommt der Nachfrage nicht nach. Dies wiederum schürt die Angst, dass die höhere Inflation kein vorübergehendes Phänomen ist, was somit ruckartige Marktbewegungen zur Folge haben kann. Mehr zu diesen Treibern und deren Dynamik erfahren Sie hier.

Sollte sich der Inflationsdruck als nachhaltig entpuppen, wären die Notenbanken gezwungen, die Leitzinsen zu erhöhen, was im derzeitigen schuldengeplagten Umfeld eine erhebliche Bürde für Haushalte, Unternehmen und die öffentlichen Finanzen darstellen würde. An den Finanzmärkten würden die Anleiherenditen steigen und die Aktienmärkte einbrechen, da die aktuellen Bewertungen vor allem durch die Annahme gestützt sind, dass die Zinsen in den USA und anderen grossen Volkswirtschaften über Jahre hinweg sehr tief bleiben werden. Das Risiko einer solchen Entwicklung erachten wir für die USA höher als in Europa.

Wie wappnet man sich als Anleger bei höheren Inflationsraten?

Im aktuellen Umfeld ist es für Anleger zentral zu verstehen, wie sich steigende Inflationsraten auf die Performance verschiedener Anlageklassen auswirken. Unsere Analyse für die USA über die letzten 16 Jahre zeigt, dass in Phasen von hoher (>2.5%) und steigender Inflation  erwartungsgemäss Obligationen besonders schlecht abschneiden, da in solchen Episoden oft auch die Zinsen ansteigen. Besser hielten sich hingegen Aktien und Immobilien. Die 12-Monats-Renditen beider Anlageklassen lagen in 62% der Fälle über der Inflationsrate, d.h. es konnte eine positive Realrendite erwirtschaftet werden. Auch Gold konnte bei hoher und steigender Inflation einen guten Inflationsschutz bieten. In den meisten anderen Phasen ist der Inflationsschutz von Gold jedoch deutlich weniger verlässlich als andere Anlagen.

Quellen: Baloise Asset Management, Bloomberg Finance L.P.

Die Inflationsdynamik hat auch stark unterschiedliche Auswirkungen auf Branchen. Sogenannte zyklische Sektoren wie z.B. Finanzen oder Öl und Gas reagieren besonders stark auf einen Anstieg der Inflationserwartungen. Entsprechend sind unter den Sektoren mit der höchsten US-Aktienmarktperformance in 2021 viele Sektoren mit einer hohen Inflationssensitivität zu finden (siehe nachfolgende Grafik). Gleichzeitig gibt es noch einige Sektoren mit einer grundsätzlich hohen Sensitivität gegenüber der Inflation wie Unterhaltung, Freizeit oder Hotels, welche aktuell aber noch unter den Pandemiemassnahmen leiden. Bei einer Entspannung der Pandemielage und gleichzeitig ansteigender Inflation würden diese Sektoren entsprechend das grösste Aufholpotential aufweisen.

Inflationssensitivität und Performance nach Sektoren des S&P 500 im Jahr 2021

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Quelle: Baloise Asset Management, Bloomberg Finance L.P. per 10.05.2021

Legende: Auf der X-Achse messen wir die Preissensitivität verschiedener Aktien im S&P 500 in Bezug auf einen Anstieg der US-Inflationserwartung über die letzten zehn Jahre. Zum Beispiel, sehen wir, dass bei einem Anstieg der Inflationserwartung um ein Prozent, Aktien im Finanzdienstleistungssektor im Durchschnitt um 0.9% ansteigen. Die Inflationserwartungen werden gemessen an der 10-jährigen Breakeven-Inflationsrate. Der Vergleich dieser Sensitivität mit der Performance der Sektoren seit Jahresanfang (Y-Achse) zeigt, dass die Sektoren, welche stark auf Veränderungen der Inflationserwartung reagieren in der Tendenz auch eine bessere Performance aufweisen konnten.

Fazit

Anleger müssen sich bewusst sein, dass steigende Inflationsraten stark unterschiedliche Auswirkungen auf Anlageklassen sowie auf einzelne Sektoren innerhalb dieser Anlageklassen haben. Im Rahmen eines aktiven Managements können diese Erkenntnisse gezielt genutzt werden und das Portfolio entsprechend positioniert werden.

Autoren

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Melanie Rama
Senior Economist Baloise Asset Management

 

Dominik Schmidlin

Dominik Schmidlin
Leiter Anlagestrategie Baloise Asset Management

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