Amtsübergabe in den USA: Die Implikationen der «blauen Welle»

Baloise Asset Management
20. Januar 2021
Blogbeitrag
US-Präsident Joe Bidens Amtsantritt und die Bedeutung für die Wirtschaft und die Finanzmärkte

Nach der Stichwahl in Georgia Anfang Januar ist klar, dass die US-Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus und auch im Senat haben. Mit der Unterstützung seiner Partei dürfte es dem neuen US-Präsidenten Joe Biden einfacher fallen, seine Agenda durchzubringen. Für die Wirtschaft und die Finanzmärkte bedeutet das Folgendes:

Positive kurzfristige Impulse

  • Die US-Demokraten plädieren schon länger für grosszügige fiskalpolitische Massnahmen, um die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise abzufedern. Am 14. Januar 2020 kündigte Joe Biden an, dass er ein neues Hilfspaket von 1,9 Bio. USD plane, wozu auch weitere Direkthilfen an die Bevölkerung gehörten. Diese Ankündigung hebt die Aussichten für das US-Wirtschaftswachstum und die Inflationserwartungen. Die Finanzmärkte haben bereits entsprechend reagiert.  
  • Der US-Aktienmarkt, S&P 500, kletterte bereits im Anschluss auf den Wahlausgang in Georgia kurzfristig auf ein neues Allzeithoch, bevor der Sturm der Trump-Anhänger auf das Kongressgebäude in Washington die Stimmung der Investoren wieder etwas eintrübte. Gleichzeitig sind Langfristzinsen angestiegen. So knackte die Rendite auf 10jährige US-Staatsanleihen erstmals seit März 2020 wieder die 1%-Marke. Bidens Ankündigung des Hilfspakets konnte die Aktienmärkte und die Zinsen nicht weiter anheben. Da die Ankündigung nicht unerwartet kam, war sie in den Marktpreisen bereits weitgehend enthalten. Gleichzeitig wirkten die jüngsten Konjunkturdaten, welche eine Verschlechterung der Arbeitsmarktlage und der Einzelhandelsumsätze zeigten, belastend. Dies diente als Erinnerung für Investoren, dass die wirtschaftliche Erholung nach wie vor fragil bleibt.   
     
  • Auch mit den weiteren fiskalpolitischen Massnahmen dürfte die Teuerung nicht so stark ansteigen, dass die US-Notenbank (Fed) unter Zugzwang kommt. Mit der Einführung eines neuen, flexibleren Inflationszieles öffnete die Fed bereits 2020 die Türe, um selbst bei einem stärkeren Inflationsanstieg die Zinsen unverändert tief halten zu können. An ihrer letzten Zinssitzung signalisierte sie, dass bis 2023 keine Zinserhöhungen zu erwarten sind. Zudem unterstrich die Fed ihre Bereitschaft, weiterhin Anleihen im Umfang von 120 Mrd. USD pro Monat zu erwerben, womit die Fed auch die Entwicklung der Langfristzinsen steuert. Ein weiterer starker Anstieg der US-Zinsen ist daher kurzfristig nicht zu erwarten.
     
  • In diesem Kontext sind Aktien noch attraktiv. Dies besonders von Unternehmen, deren Erträge stark vom Konjunkturzyklus abhängig sind, z.B. Industrie-Unternehmen oder Rohstofferzeuger. Die Angst vor potenziell stärkerer Regulierung der Tech-Giganten könnte die bisher starke Tech-Branche belasten.

Längerfristig höhere Steuern und grüner Fokus

  • Längerfristig plant Joe Biden eine Steuerreform mit unter anderem einer Erhöhung der Unternehmenssteuer von 21% auf 28%. Eine solche Reform dürfte aber erst in Angriff genommen werden, wenn sich die US-Konjunktur vom Corona-Schock erholt hat.
     
  • Die von der Trump-Administration gelockerten regulatorischen Vorschriften in der Finanzbranche und im Umweltschutz dürften wieder verschärft werden.
     
  • Diesen für das Wirtschaftswachstum längerfristig leicht negativen Auswirkungen soll durch massive Investitionen in Infrastruktur und saubere Energie im Umfang von 2 Billionen US-Dollar begegnet werden.
     
  • Unter der Biden-Administration dürfte das Risiko einer Eskalation im Handelsstreit zwischen China und den USA abnehmen. Analysten erwarten mittelfristig neue Handelsverhandlungen zwischen den Grossmächten. Dass jedoch alle von Trump eingeführten Strafzölle rückgängig gemacht werden, wird nicht erwartet. Das Verhältnis dürfte angespannt bleiben, vor allem rund um das Thema Technologie, wo China ein direkter Konkurrent für die USA ist.

Unabhängig von der «blauen Welle» bleibt der mittelfristige Ausblick für die Konjunktur und die Finanzmärkte insgesamt stark abhängig von der Entwicklung der Pandemie. Eine detaillierte Einschätzung dazu finden Sie in unserem aktuellen Marktbericht.

Kontakt

Melanie Rama

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Senior Economist Baloise Asset Management

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