Welches sind die grössten Risiken für die Finanzmärkte?

Baloise Asset Management
1. Oktober 2020
Das Coronavirus steht nach wie vor im Vordergrund

Das Coronavirus drückt weiterhin auf die Stimmung der Anleger, gefolgt von der Beziehung zwischen den USA und China.

Die Finanzmärkte reagieren sensibel auf die Corona-Pandemie. Je nach Pandemieverlauf könnte die Erholung der Weltwirtschaft erfolgen. 

Im März 2020 löste der Ausbruch des Coronavirus bei den Anlegern Panik aus. In den letzten Monaten kam es zwar in vielerlei Hinsicht zu einer Erholung. Unsere Anlageexperten stufen die Pandemie aber weiterhin als grosses Risiko für die Märkte ein: Anfang September erwartet eine Mehrheit von 60% eine graduelle, jedoch ungleichmässige Erholung der Weltwirtschaft nach dem «COVID-19-Schock», das heisst eine «U-förmige Entwicklung» (siehe Grafik «Wie erfolgt die Erholung der Weltwirtschaft?»).

Rund 27% der Befragten befürchten einen zweiten starken Einbruch der globalen Wirtschaftsdynamik in den nächsten Monaten, bevor eine definite Erholung einsetzt. Das ist die sogenannte «W-förmige» Erholung. Nur eine Minderheit von 13% geht davon aus, dass sich die Weltwirtschaft schnell wieder an das Vorkrisenniveau annähert («V-förmige Entwicklung»). Mehr zu den entsprechenden Implikationen für die Anleger erfahren Sie in unserer monatlichen Baloise Market View.

Wie erfolgt die Erholung der Weltwirtschaft?

grafik_bild_1
Quelle: Umfrage von Baloise Asset Management bei internem Portfolio Management und Kapitalanlagenverantwortlichen vom 04.09.2020. Insgesamt 16 Teilnehmer (nicht repräsentative Stichprobe)

Globale Pandemiewelle als Damoklesschwert: 55% stufen Corona als grösstes Risiko ein.

Mit einem starken Anstieg der globalen Fallzahlen müssten vielerorts auch wieder Lockdown-Massnahmen ergriffen werden, was die bereits geschwächte Weltwirtschaft zusätzlich belasten würde. Die OECD schätzt, dass mit jeder Woche im Lockdown eine Volkswirtschaft rund 0,5 Prozentpunkte des jährlichen BIP-Wachstums einbüsst. Die Finanzmärkte spiegeln die enormen Kosten für die Wirtschaft wider. Während der ersten Pandemiewelle haben beispielsweise die Aktienmärkte in Rekordgeschwindigkeit rund 30% an Wert verloren. Eine zweite Welle würde erneute Kursverluste auslösen. In diesem Fall erwarten wir, dass Zentralbanken ihre Anleihekaufprogramme erweitern und Regierungen mächtigere Hilfspakete schnüren und somit die Konjunktur und die Finanzmärkte stützen würden.  

Die grössten Risiken in den nächsten 12 Monaten

grafik_1
Quelle: Umfrage von Baloise Asset Management bei Baloise /internen Portfolio Management- und Kapitalanlagenverantwortlichen am 04.09.2020. Insgesamt 16 Teilnehmer (nicht repräsentative Stichprobe).

Beziehung USA-China ist für knapp 30% der Befragten eine mögliche Quelle von Volatilität.

Weitere Unwägbarkeiten birgt die Beziehung zwischen Washington und Peking. Die US-Präsidentschaftswahlen vom November sollten diesbezüglich etwas Klarheit schaffen. Insgesamt rechnen wir in den Herbstmonaten mit mehr Volatilität an den Finanzmärkten, als dies im Sommer der Fall war. 

Die Spannungen im Handelskonflikt zwischen den USA und China hatten sich angesichts der Unterzeichnung eines ersten Abkommens («Phase 1 Trade Deal») zu Jahresbeginn etwas gelegt. Im Fokus stand damals der Waffenstillstand, d. h. es sollten keine neuen Strafzölle gegeneinander verhängt werden, was von den Investoren weltweit begrüsst wurde. Im Rahmen des Abkommens hatte sich China verpflichtet, vermehrt amerikanische Produkte zu kaufen. Allein im Jahr 2020 sollten zusätzliche Waren und Dienstleistungen im Umfang von 77 Mrd. USD importiert werden. Das sind 40% mehr Einfuhren als noch 2017. Angesichts des Konjunktureinbruchs wird es China dieses Jahr kaum möglich sein, diese Konditionen zu erfüllen. Wie Washington damit umgeht, ist noch offen, zumal die Beziehung zwischen den Grossmächten bereits wieder angespannt ist. Dies unter anderem wegen des Umgangs mit der COVID-19-Krise.

Details zu den konkreten Auswirkungen der Risiken auf die Finanzmärkte nehmen wir in weiteren Blogs unter die Lupe.  

Autor

Melanie Rama

Melanie_Rama_081-01-03 (002)

Melanie Rama, Senior Economist, Baloise Asset Management

Disclaimer

Baloise Asset Management AG übernimmt keine Gewähr für die verwendeten Kennzahlen und Performance-Angaben. Der Inhalt der Publikation beinhaltet Meinungen zur Marktentwicklung und dient ausschliesslich zu Informationszwecken und dient nicht der Anlageberatung. Insbesondere stellen die Informationen in keiner Weise ein Kaufangebot, eine Anlageempfehlung oder eine Entscheidungshilfe in rechtlichen, steuerlichen, wirtschaftlichen oder anderen Belangen dar. Es wird keine Haftung für Verluste oder entgangene Gewinne übernommen, die aus einer Nutzung der Informationen entstehen könnten.