US-Wahlen: Auswirkungen auf die Finanzmärkte

Baloise Asset Management
29. Oktober 2020
Schon gewusst?
Auswirkungen auf die Finanzmärkte

Umstrittenes Wahlergebnis als grösstes Risiko

Angesichts der Corona-Pandemie sind die US-Präsidentschaftswahlen 2020 mit viel Unsicherheit behaftet. Das grösste Risiko für die Finanzmärkte ist ein umstrittenes Wahlergebnis. Dieses hätte nach unserer Einschätzung eine erhöhte Volatilität zur Folge. Unsere Analyse der vier wichtigsten Szenarien zeigt: Ein Sieg der Demokraten, auch im US-Parlament, dürfte die Märkte kurzfristig am meisten beflügeln. In diesem Falls wäre das umfangreichste Corona-Hilfspaket zu erwarten.

Wir werfen einen Blick auf den Einfluss der Corona-Pandemie auf das Wahlergebnis, skizzieren die Auswirkungen von vier möglichen Wahlresultaten auf die Wirtschaft und die Finanzmärkte und erläutern deren Wahrscheinlichkeit.  

Grosser Corona-Einfluss

Vier Szenarien und ihre Auswirkungen

Neben der Wahl des Präsidenten ist für die Wirtschaft und die Finanzmärkte auch die Zusammensetzung des US-Kongresses ausschlaggebend. Denn je nachdem, wie diese aussieht, kann der gewählte Präsident sein Programm realisieren oder er wird ausgebremst. Aktuell liegt die Mehrheit des Senats in den Händen der Republikaner, während die Demokraten im Repräsentantenhaus das Ruder in der Hand haben. Die Grafik 2 zeigt die vier Szenarien und ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Finanzmärkte.

Grafik 2: Vier Szenarien und ihre Auswirkungen

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Quellen: Baloise Asset Management per 21.10.2020

Insgesamt erwarten wir die stärksten Marktbewegungen, falls eine Partei den Senat, das Repräsentantenhaus sowie das Weisse Haus für sich gewinnen kann. Für die Konjunktur und die Aktienmärkte bedeutet das kurzfristig eine positive Entwicklung. Falls das Corona-Hilfspaket kleiner ausfällt als erwartet, könnte sich die Enttäuschung der Anleger im Finanzmarkt auswirken. Ein Anstieg der Inflationserwartungen ist in beiden Szenarien zu erwarten. Längerfristig dürften höhere Steuern (blaue Welle) oder ein erhöhtes Handelsstreitrisiko (rote Welle) die Märkte belasten.  

Wenn im Kongress beide Parteien Mehrheiten erreichen (entweder im Senat oder im Repräsentantenhaus), wie dies aktuell der Fall ist, ist es grundsätzlich schwierig für einen Präsidenten, das eigene Regierungsprogramm durchzusetzen. Die Folge sind langwierige Verhandlungen, wie jüngst das Gezerre um das zweite Corona-Hilfspaket zeigt. Die Auswirkungen auf die Konjunktur und die Finanzmärkte sind verhaltener und unklare: Das heisst, schwächeres Wirtschaftswachstum als in den Szenarien 1 und 3, sowie eine gedämpfte Inflationsdynamik.  

Unabhängig vom Wahlergebnis erwarten wir, dass die US-Regierung ein weiteres Konjunkturpaket verabschieden wird, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie abzufedern. Das umfangreichste Paket erwarten wir bei einem Sieg von Joe Biden und den Demokraten im Kongress (Szenario 1), was kurzfristig positiv für das Wirtschaftswachstum sowie die Aktienmärkte wäre und mittelfristig die Inflationserwartungen erhöhen würde.

Längerfristig plant Joe Biden eine Steuerreform mit unter anderem einer Erhöhung der Unternehmenssteurer von 21% auf 28%. Zusätzlich sollen von der Trump-Administration gelockerte regulatorische Vorschriften in der Finanzbranche und im Umweltschutz wieder verschärft werden. Diesen für das Wirtschaftswachstum längerfristig leicht negativen Auswirkungen soll durch massive Investitionen in Infrastruktur und saubere Energie im Umfang von 2 Billionen US-Dollar begegnet werden.

Bei einem Sieg von Donald Trump ist mit weiteren Lockerungen von regulatorischen Vorschriften in den Bereichen Umweltschutz, Finanzen und Steuerwesen zu rechnen (z. B. Senkung der Kapitalgewinnsteuern). Zudem dürften sich die Differenzen in der Handelspolitik eher zunehmen (z.B. mit China und der EU). Letzteres erhöht das Risiko von Marktturbulenzen als Folge von geopolitischen Spannungen, während die weiteren Deregulationen die Aktienmarktentwicklung insgesamt positiv beeinflussen würden.

Unabhängig vom Wahlausgang dürfte die Geldpolitik der US-Notenbank, Fed, weiterhin sehr expansiv bleiben. Die Fed hat erst kürzlich ihr Inflationsziel neu ausgerichtet, womit sie künftig auch Inflationsraten von über 2% tolerieren wird. Sie bekräftigt somit ihre aktuelle Tiefzinspolitik. Bei einer blauen oder roten Welle (Szenario 1 oder 3) sehen wir mittelfristig einen leicht stärkeren Anstieg der Inflation. Das heisst, in diesem Fall dürfte die Fed etwas schneller reagieren als in den anderen Szenarien. 

Wahrscheinlichkeit der Szenarien

Autorin

Melanie Rama

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Senior Economist, Investment Strategy, Baloise Asset Management

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