Marktbericht 2. Quartal 2021

Baloise Asset Management
20. April 2021
Marktbericht
Verstärkte Divergenz

Verstärkte Divergenz

  • Wir erwarten gegen Mitte des Jahres einen durch Aufholeffekte befeuerten Konjunkturaufschwung, welcher jedoch regional unterschiedlich stark ausfallen dürfte.
  • Die Inflationsraten dürften in den nächsten Monaten deutlich ansteigen. Besonders in Europa wird dieser Anstieg aber nur von temporärer Natur sein. 

 

  • Das Tiefzinsumfeld bleibt trotz des jüngsten Zinsanstiegs intakt. Aktien, Unternehmensanleihen und Immobilien behalten somit ihre relative Attraktivität, sind aber vielfach hoch bewertet.
  • Es dürften weiterhin primär Unternehmen in zyklischen Branchen vom Konjunkturaufschwung profitieren.
  • Die globale Impfkampagne schreitet sehr ungleichmässig und teilweise schleppend voran. Dies birgt die Gefahr, dass sich neue Mutationen des Coronavirus bilden, welche die wirtschaftliche Normalisierung erneut gefährden.  
  • Die Unsicherheit bezüglich der Langfristigkeit des globalen Inflationsanstiegs führt zu erhöhter Nervosität in Bezug auf anfällige Zinserhöhungen, besonders in den USA.

Die Weltwirtschaft erholt sich von der Coronakrise, jedoch je nach Region unterschiedlich schnell. Um den Ausbruch von Coronavirus-Mutationen zu unter-binden, traten besonders in Europa verschärfte Eindämmungsmassnahmen in Kraft. Diese belasteten das Weltwirtschaftswachstum im 1. Quartal. Der Rückgang war aber milder als im Frühling 2020. Das ist auf drei Faktoren zurückzuführen: Erstens blieben diesmal die globalen Lieferketten mehrheitlich intakt, zweitens waren bereits Konjunkturunterstützungs-massnahmen vorhanden und drittens wählten Regierungen im Schnitt gezieltere und somit weniger einschneidende Massnahmen (mit Ausnahme von EU-Staaten wie Deutschland).

Mit dem voranschreiten der Impfkampagnen rechnen wir mit einer graduellen Lockerung der aktuellen Restriktionen. Das lässt für Mitte des Jahres insgesamt wieder stärkeres Wachstum erwarten, wenn auch mit regionalen Unterschieden. Diese dürften auch in den nächsten Jahren feststellbar sein (siehe Grafik).

Ein Grund für die regionalen Unterschiede ist, dass die lokalen Impfkampagnen unterschiedlich rasch voranschreiten. Impfstoffmangel und Lieferengpässe bleiben signifikante Hürden. Im Durchschnitt impfen daher die wohlhabenden Länder 25 Mal schneller als Länder mit den niedrigsten Einkommen. Aber auch innerhalb der Industriestaaten gibt es starke Differenzen. Vorreiter wie Israel oder das Vereinigte Königreich haben bereits einen Grossteil ihrer Bevölkerung mindestens einmal geimpft und in den USA sollen alle Erwachsenen bis Ende April Zugang zu den Impfungen erhalten. Die EU hingegen hinkt diesen Ländern deutlich hinterher.

Quellen: Baloise Asset Management, IWF World Economic Outlook, per April 2021

Weitere Gründe für die Divergenz der konjunkturellen Erholung sind: die Stärke der Wirtschaft vor der Krise, die Abhängigkeit vom Tourismus und das Ausmass der Massnahmen der Regierungen in Bezug auf Restriktionen, aber auch Hilfspakete.

Schweiz: Positive Aussichten nach Dämpfer zu Jahresbeginn. Die Schweizer Wirtschaft erholt sich von der tiefsten Rezession seit Mitte der 1970er-Jahre. Der erneute Lockdown führte aber zu einem schwachen Jahresstart. Die Lage am Arbeitsmarkt ist somit insgesamt noch fragil und die Anzahl Stellensuchender stieg in den letzten Monaten weiter an. Die Arbeitslosenquote lag im März bei 3,4 %. Für das stark betroffene Gastgewerbe liegt die Quote bei 10 % und ist rund doppelt so hoch wie vor der Krise (4,9 %). Erst in den letzten Wochen verbesserten sich die vorlaufenden Konjunkturindikatoren wieder. Das KOF-Barometer z.B. klettere Ende März, dank stark positiver Signale aus der Industrie, auf 117,8 Punkte und steht somit so hoch wie zuletzt im Sommer 2010. Das deutet auf eine robuste Erholung im 2. Quartal hin. Mit dieser dürfte auch die Teuerungsrate schrittweise in den positiven Bereich zurückkehren und bis Ende des Jahres auf 0,7 % ansteigen.

USA: Massive Unterstützung für die Konjunktur. Nachdem der Kongress im Dezember ein Fiskalpaket im Umfang von 900 Mrd. USD verabschiedet hatte, wurde im März gleich mit 1’900 Mrd. USD nachgelegt, denn der Arbeitsmarkt ist nach wie vor schwach. Im März lag die Arbeitslosenquote mit 6,0 % noch 2,5-Prozentpunkte über dem Vorkrisenniveau. Dieses Hilfspaket zusammen mit einer wirksamen Impfkampagne bildet eine ausserordentlich starke Ausgangslage für einen kräftigen Wirtschafts-aufschwung in den nächsten Monaten. Die jüngsten vorlaufenden Makrodaten stützen dies, so schoss z.B. der Einkaufsmanagerindex der amerikanischen Industrie im März auf 64,7 Punkte. So hoch lag der Index zuletzt Anfang der 1980er-Jahre. Den Umfragen zufolge wird es für Unternehmen zunehmend schwieriger, die steigende Nachfrage zu bedienen, da die Auswirkungen des Coronavirus die Verfügbarkeit von Materialien einschränkt. In Folge stiegen auch die Inflationserwartungen an. Besonders in den nächsten sechs Monaten dürfte die Inflation, gemessen am Konsumdeflator, das langfristige Ziel der US-Notenbank von 2,0 % überschreiten. Aktuell ist danach aber wieder mit einem Rückgang zu rechnen.

Auch längerfristig soll die Konjunktur vom Staat gestützt werden. So hat Bidens Regierung kürzlich den ersten Teil eines Achtjahresplans zur grundlegenden Modernisierung der US-Infrastruktur vorgestellt. Die rund 2 Bio. USD, welche u.a. für Brücken, Strassen und die Energie- und Wasserversorgung eingeplant sind, sollen primär durch eine Erhöhung des Steuersatzes für Unternehmen von 21 % auf 28 % finanziert werden.  

EU: Eine schleppende Erholung. Anhaltende Eindämmungsmassnahmen und ein schwacher Impfstart liessen die europäische Wirtschaft in den letzten Monaten weiter schrumpfen. Besonders der Dienstleistungssektor leidet unter den aktuellen Umständen, während die Industrie sich relativ robust zeigt. Die Einkaufsmanagerindizes (PMI) dieser beiden Sektoren für März signalisieren, dass sich diese Tendenz auch im kommenden Quartal fortsetzen wird. Heterogen ist auch die Entwicklung der Mitglieds-staaten. Die Daten deuten zwar auf eine wirtschaftliche Expansion der gesamten Währungsunion. Der Wachstumsmotor bleibt aber Deutschland, dessen PMI mit 57,3 Punkten im März ein 3-Jahres-Hoch erreichte. Die Werte für Frankreich und Spanien liegen hingegen nur knapp über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Auch diese Divergenz in der Wachstumsdynamik dürfte über die nächsten Monate Bestand haben.

Die Inflation stieg bereits deutlich an, von –0,3 % im Dezember 2020 auf 1,3 % im März 2021. Dies war teils umfangreichen Änderungen bei den Gewichtungen im Index geschuldet. Ein weiterer Anstieg getrieben von Basiseffekten und einer stärkeren Nachfrage ist für die nächsten Monate zu erwarten (siehe Abschnitt Fokus: Inflation).

China: Auf robusten Beinen trotz tiefer Impfraten. Anders als in Europa und Nordamerika, wo durch Impfaktionen eine Normalisierung der Wirtschafts-aktivität angestrebt wird, scheint China die Pandemie mit schnellen und scharfen Lockdowns im Griff zu haben. Denn mit nur 10 verabreichten Impfdosen pro 100 Einwohner hinkt China, wie viele andere Schwellenländer, den Industriestaaten hinterher. Zum Vergleich: In Grossbritannien oder den USA wurden bis anhin mehr als fünfmal so viele Impfungen verabreicht. Trotzdem zeichnete sich bereits vor ein paar Monaten eine relativ starke Erholung in der Industrie ab. Und nun ziehen auch die schwächeren Sektoren nach. Laut den Einkaufsmanagerumfragen war die Zuversicht der Dienstleistungsunternehmen im März so hoch wie seit 10 Jahren nicht mehr. Die Zuversicht wird durch die nach wie vor grosszügige Kredit- und Liquiditätsversorgung gestützt. Falls die Wirtschaftsdaten weiter Stärke zeigen und besonders auch der private Konsum weiter ansteigt, dürfte die Regierung, als einzige der grossen Volkswirtschaften, dann die wirtschaftspolitischen Massnahmen im 2. Halbjahr schrittweise zurückfahren.

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Die Aussagen der Notenbanken sind klar, aber die Unsicherheit rund um die Inflationsentwicklung lassen Anleger zweifeln, was zu Volatilität an den Finanzmärkten führt. Die Konjunktur wird mithilfe von niedrigen Zinsen und Hilfspaketen der Regierungen angekurbelt. Das lässt die Preise ansteigen und schürt somit Inflationsängste. Damit die Wirtschaft nicht überhitzt, müssen die Notenbanken früher oder später die Zinsen anheben. Diese Erwartung spiegelt sich nun an den Finanzmärkten wider. So zogen die Langfristzinsen besonders in den USA, wo es jüngst starke fiskalpolitische Impulse gab, stark an. Seit Jahresbeginn stieg der Zins 10-jähriger US-Staatsanleihen um rund 80 Basispunkte an und liegt somit wieder auf dem Niveau von Anfang 2020.

Die Reaktion der US-Notenbank Fed war, zu betonen, dass der Inflationsanstieg als temporär einzustufen sei und dies keine Änderung der Geldpolitik rechtfertige. Sie beabsichtigt, die Zinsen so lange auf dem aktuellen Niveau zu belassen, bis sich der Arbeitsmarkt von der Krise erholt hat und die Inflation bei mindestens 2,0 % liegt und höher tendiert. Auch sollen weiterhin Anleihen im Umfang von 120 Mrd. USD pro Monat erworben werden, bis substanzielle Fortschritte in Bezug auf das Beschäftigungsmandat und das Inflationsziel erreicht worden sind.

Anders als in der Vergangenheit möchte die Fed ihre Geldpolitik in diesem Zyklus auf effektiven Daten und nicht auf Prognosen abstützen. Aktuell plant sie daher keine Leitzinserhöhung bis Ende 2023. Das sehen viele Anleger anders. Die Preise an den Terminmärkten deuten darauf hin, dass Investoren mit einem ersten Zinsanstieg Ende 2022 und mit einem weiteren Schritt für 2023 rechnen (siehe Grafik). Die Börsen reagieren nicht primär auf Fakten, sondern auf Erwartungen. Wir erachten jedoch die aktuellen Markterwartungen als zu optimistisch und erwarten noch keine Zinserhöhung im nächsten Jahr.

Quellen: Baloise Asset Management, Bloomberg Finance L.P., per 10.04.2021

Auch in Europa zogen die Langfristzinsen an, wenn auch weniger stark als in den USA. Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen liegt zwar rund 30 Basispunkte über dem Jahresendwert, aber mit –0,28 % immer noch im negativen Bereich. Doch bereits dieser Anstieg war der Europäischen Zentralbank (EZB) zu viel. Sie sah die Gefahr, dass die höheren Zinsen die Wirtschaft bremsen könnten. Im März kündigte sie daher an, dass sie ihre Anleihenkäufe im 2. Quartal beschleunigen werde, um dadurch den Zinsanstieg in Schach zu halten. 

Die aktuellen Preise am Terminmarkt signalisieren eine Zinserhöhung in der Schweiz. Dies dürfte dem globalen bzw. spezifisch dem US-Zinsanstieg geschuldet sein und nicht dem lokalen konjunkturellen Umfeld. Die jüngsten Inflationsprognosen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zeigen nämlich, dass die Inflation auch im Jahr 2023 deutlich unter der 1%-Marke verweilt, sogar unter der Annahme, dass der Leitzins bei –0,75 % bleibt. Es gibt daher keine Anzeichen für eine restriktivere Geldpolitik in der Schweiz in den nächsten Jahren.  

Es bleibt festzuhalten, dass trotz der jüngsten Zinsanstiege die Zinsen im historischen Vergleich niedrig bleiben. Die Unsicherheit in Bezug auf die Geschwindigkeit der Zinsanpassung in den USA birgt jedoch die Gefahr von unerwünschter Volatilität an den globalen Finanzmärkten.

Die Teuerung dürfte in den meisten Regionen in den nächsten Monaten stark ansteigen. Drei treibende Kräfte spielen dabei eine zentrale Rolle: Basiseffekte, angebotsseitige Engpässe und die massiven fiskalpolitischen Geldflüsse. Die ersten beiden Kräfte sind temporäre Effekte für 2021. Der dritte Faktor ist auch längerfristig von Bedeutung, jedoch primär für die USA relevant. 

Quelle: Baloise Asset Management, Bloomberg Finance L.P., per 12.04.2021

Der Basiseffekt ist ein statistisches Phänomen. Da die Inflation als Veränderungsrate zum Vorjahr berechnet wird, kommt es zu Verzerrungen, wenn der Basiswert, d.h. der Wert vor einem Jahr, aussergewöhnlich hoch oder tief war. Aufgrund des Ölpreisrückgangs vor einem Jahr und der anschliessenden Erholung werden die Inflationsraten nur schon aufgrund der Ölpreis-Entwicklung in den nächsten Monaten höher ausfallen.

Mit der wirtschaftlichen Wiedereröffnung ist ein relativ rascher Anstieg des Konsums zu erwarten. Die Produktionskapazitäten vieler Unternehmen waren jedoch in Folge der Pandemie stark eingeschränkt und wurden noch nicht wieder vollständig hochgefahren. Dies dürfte zu Engpässen auf der Angebotsseite führen und somit temporär zu höheren Preisen, bis das Angebot wieder die stärkere Nachfrage bedienen kann. Unternehmen berichten zudem vermehrt über höhere Einsatzkosten in der Produktion, weil u.a. die Rohstoffpreise stark angestiegen sind.

Quelle: Baloise Asset Management, Internationaler Währungsfonds, per April 2021

Als Reaktion auf die Coronakrise haben Regierungen massive Hilfspakete geschnürt. Wie inflationär diese Massnahmen sind, ist abhängig davon, wohin die Gelder fliessen. In Europa machen Kredite, Staats-garantien und Kapitalzuschüsse den Grossteil der Massnahmen aus (siehe Grafik). Diese sorgen für die nötige Liquidität bei Unternehmen, lassen die Konsumentenpreise aber wenig ansteigen, d.h., sie sind nicht besonders inflationär. Auch zusätzliche Ausgaben für Kurzarbeitsprogramme sind eher als Deflationsschutz anstatt als Inflationstreiber zu interpretieren. Das Ziel solcher Programme ist es, den Einkommensverlust von Arbeitnehmern zu mindern und somit dem Einbruch der Inflation aufgrund eines Nachfrageeinbruchs vorzubeugen. In den USA hingegen lag der Fokus vielmehr auf zusätzlichen Ausgaben wie z.B. direkten Zahlungen an Haushalte via den sogenannten «Stimulus-Checks» und auf entgangene Einnahmen, wie Steuererleichterungen. Diese kurbeln in der Summe den Konsum und somit die Teuerung stärker an als die zuvor erwähnten dominierenden Massnahmen in Europa. Das bedeutet, dass der Anstieg der Inflation in den USA insgesamt nachhaltiger ist als in Europa.

Rückblick: Mit dem Impffortschritt in den USA gewann die amerikanische Wirtschaft im 1. Quartal deutlich an Dynamik. Höhere Staatsausgaben im Zusammenspiel mit einer zurückhaltenden Fed unterstützten diese Entwicklung entscheidend. Da die gestiegenen Inflationserwartungen sowie der damit einhergehende Zinsanstieg bei amerikanischen Staatsanleihen gemäss Einschätzung der Fed als temporär zu erachten sind, stellen diese keine Gefahr für das Wirtschaftswachstum dar. Diese aufgehellten Erwartungen spiegelten sich auch in der Entwicklung der US-Unternehmensanleihen wider. Der durchschnittliche Kreditaufschlag im Vergleich zu Staatsanleihen mit der gleichen Laufzeit tendierte im 1. Quartal wieder um das Vorkrisenniveau von rund 95 Basispunkten.

Die EZB war aufgrund der bislang fragilen Erholung der europäischen Wirtschaft darauf bedacht, günstige Konditionen am Kapitalmarkt zu gewährleisten. So betonte die EZB, dass sie ihr Pandemie-Notkaufprogramm (PEPP) «entschlossen und effizient» einsetzen wird, sollten die Zinsen auf ein Niveau ansteigen, das als schädlich für die wirtschaftliche Erholung angesehen wird. Die hohe Aktivität der EZB auf dem Anleihenmarkt zeigt sich auch im sehr niedrigen Niveau der Kreditaufschläge, welche ein Jahr nach Beginn der Pandemie über fast alle Sektoren hinweg bereits auf oder gar unter dem Vorkrisenniveau liegen. Auch besonders hart getroffene Sektoren wie der Einzelhandel und die Transportbranche (inklusive Fluggesellschaften) weisen verglichen mit dem Vorkrisenniveau keine zusätzliche Kreditrisikoprämie mehr auf und dies trotz anhaltender Lockdowns und eingeschränkter Mobilität (siehe Grafik).

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Quellen: Baloise Asset Management, Bloomberg Finance L.P., per 12.04.2021

Ausblick: Unserer Ansicht nach wird die fiskal- und geldpolitische Unterstützung durch die nationalen Regierungen bzw. Zentralbanken in Europa und den USA bestehen bleiben. Beide Regionen leiden immer noch unter den Nachwirkungen der durch die Covid-19-Pandemie ausgelösten wirtschaftlichen Turbulenzen. Die US-Wirtschaft wird zwar durch weitere fiskalpolitische Massnahmen enorm gestützt, was zusätzlichen Inflationsdruck mit sich bringt (siehe Abschnitt USA). Wir glauben aber nicht, dass die Fed die Zinsen vor 2023 anhebt, da sie einerseits Inflationsraten von über 2,0 % für eine gewisse Zeit sogar begrüssen würde und andererseits weil der US-Arbeitsmarkt nach wie vor fragil ist.

Vor diesem Hintergrund dürften die Zentralbanken in den kommenden Monaten weiterhin eine stabilisierende Rolle im Anleihemarkt spielen. Wir erwarten daher, dass die Kreditaufschläge von europäischen und amerikanischen Unternehmensanleihen auf niedrigem Niveau stabil bleiben werden.

Rückblick: Die Erwartungen der Börsianer an den Wirtschaftsaufschwung sind hoch. Das Jahr 2021 begann somit positiv für Aktien. Der globale Aktienmarkt, gemessen am MSCI All Country Index, stieg im 1. Quartal um 4,2 % an. Wie von uns im letzten Marktbericht erwartet, gehörten besonders zyklische Sektoren und Märkte, wie z.B. der europäische Aktienmarkt, zu den Gewinnern. So lag die Performance des Euro Stoxx 50 bei 10,3 %. Stark waren auch die amerikanischen Titel. Diese stiegen um 6 % an. Einen kräftigen Start ins Jahr hatten auch Schwellenländer-Aktien. Diese lagen Mitte Februar noch beinahe 12 % über dem Jahresendwert. Inflationsängste und folglich der US-Zinsanstieg belasteten aber diesen Markt in der zweiten Hälfte des 1. Quartals stark. Der hohe Schuldenberg in US-Dollar in vielen Schwellenländern macht diese besonders empfindlich gegenüber US-Zins- und Währungsschwankungen.   

Ausblick: Die Bewertungen der meisten Märkte sind nach wie vor weit überdurchschnittlich. Hohe Bewertungen spielen zwar primär langfristig eine Rolle für die erwartete Rendite, machen die Märkte jedoch auch kurzfristig anfälliger für Kurskorrekturen. Hinzu kommt die Unsicherheit bezüglich der Inflations- und Zinsentwicklung. Da höhere Zinsen die relative Attraktivität von Aktien mindern, dürften weitere Zinsanstiege auch für Kursschwankungen bei Aktien sorgen.

Quellen: Baloise Asset Management, Bloomberg Finance L. P., per 12.04.2021

Trotz gradueller Zinsanstiege bleibt das Tiefzinsumfeld intakt. Zudem stimmen uns die stärkeren Konjunkturaussichten grundsätzlich konstruktiv für Aktien. Wir sehen spezifisch noch weiteres Aufholpotenzial in den zyklischen Märkten über die nächsten drei Monate. Letztlich werden Branchen wie z.B. Industrie und Energie besonders von der wirtschaftlichen Wiedereröffnung profitieren. Allfällige Korrekturen an den Märkten können daher auch als Möglichkeit betrachtet werden, um gezielt in zyklische Titel und Märkte umzuschichten. 

Rückblick: Der Euro markierte zwischendurch mit einem Kurs von 1.11 seinen höchsten Stand gegenüber dem Schweizer Franken seit Sommer 2019. Per 12. April lag die Aufwertung des Euro seit Jahresbeginn bei 1,6 % gegenüber dem Schweizer Franken. Auch der US-Dollar, der im letzten Jahr stark nachgab, konnte sich in den ersten Monaten des Jahres deutlich erholen. Stärkere Konjunktur- und Zinsaussichten für die USA liessen den US-Dollar im 1. Quartal um satte 6,6 % gegenüber dem Schweizer Franken ansteigen, bevor die Stärke in den ersten Apriltagen wieder nachliess. 

Ausblick: Wir gehen davon aus, dass mit dem Voranschreiten der globalen Impfkampagnen ein insgesamt risikofreundliches Marktumfeld anhält. Dies schwächt etwas den Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken und somit die Notwendigkeit der Schweizerischen Nationalbank, am Devisenmarkt zu intervenieren. Die noch schleppende Konjunktur-erholung und der träge Impffortschritt im Euroraum lassen jedoch keine weitere starke Aufwertung des Euros gegenüber dem Schweizer Franken in den nächsten Monaten erwarten. Die Treiber für die US-Dollar-Stärke hingegen, d.h. das positive Wachstums- und Zinsdifferenzial, bleiben jedoch intakt und dürften den Greenback auch in den kommenden Monaten stützen.

Quellen: Baloise Asset Management, Bloomberg Finance L. P., per 12.04.2021

                           

Rückblick: Der anhaltende zinsbedingte Anlagenotstand und die beschränkten Anlage-alternativen befeuern weiterhin die starke Nachfrage der Anleger nach Immobilien. Die Nettoanfangs-renditen am Transaktionsmarkt, insbesondere von sehr gut gelegenen Mehrfamilienhäusern, sind weiter gesunken und liegen bei 1,60 %. Im 1. Quartal 2021 betrug die Rendite-Differenz zwischen dem Erwerb einer erstrangigen Immobilie und einer 10-jährigen Staatsanleihe auf dem Schweizer Markt unverändert 2,2 %, womit dieser 50 Basispunkte über dem historischen Durchschnitt lag.

Innerhalb des 1. Quartals lag die Performance von Immobilienfonds gemäss dem SXI Swiss Real Estate Funds Total Return Index bei +0,4 %. Ende Februar 2021 erreichte das durchschnittliche Agio des Schweizer Immobilienfondsmarktes nahezu 34 %. Die Agio-Differenz zwischen kommerziellen Immobilienfonds und Wohnimmobilienfonds lag bei rund 14 %. Ende 2020 erreichten die Agios von Wohnimmobilienfonds mit 43 % den höchsten Wert der letzten zwölf Jahre – im 1. Quartal 2021 lag dieses immer noch bei rund 38 %. Auch die kommerziellen Fonds sind mit rund 24 % Agio verhältnismässig hoch bewertet.

Quellen: Baloise Asset Management, Bloomberg Finance L. P., per 12.04.2021

Ausblick: Der Ausblick für Immobilien bleibt stark anhängig von der gesamtwirtschaftlichen Lage. Sollte die Impfkampagne immer mehr an Fahrt gewinnen und sollten die Lockdown-Massnahmen allmählich gelockert werden, erwarten wir ab dem 2. Quartal 2021 eine Erholung der Schweizer Wirtschaftsaktivität. Dies zusammen mit dem anhaltenden Tiefzinsumfeld sind positive Stützen für den Immobilienmarkt. D.h., dass die hohen Bewertungen auch in den nächsten Monaten noch Bestand haben können.

Das Risiko ist, dass, obwohl sich die Konjunkturaussichten insgesamt aufhellen, sich schleichend Firmenkonkurse bei Mietern insbesondere in strukturschwachen Sektoren, wie u.a. im Gastgewerbe, in der Hotellerie und im Textilgewerbe, einstellen dürften. Dank grosszügiger Massnahmen der Regierung konnte bis anhin eine Konkurswelle in Folge der Coronakrise vermieden werden, aber im März 2021 stieg die Anzahl der Firmenkonkurse nun in mehreren Regionen deutlich an. Die gesamtschweizerische Konkursrate liegt dabei nun zum ersten Mal seit Beginn der Krise deutlich über dem Trend.

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Immobilien-Portfoliomanager (Drittkundenmandate)
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Viermal pro Jahr; Redaktionsschluss: 11.01.2021

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