Marktbericht 1. Quartal 2021

Baloise Asset Management
18. Januar 2021
Marktbericht
Globale Impfkampagne mit Hürden

Globale Impfkampagne mit Hürden

  • Nach einem verhaltenen Jahresauftakt erwarten wir gegen Mitte des Jahres ausgehend von einer Entspannung der Pandemielage einen durch Aufholeffekte befeuerten Konjunkturaufschwung.
  • Mit dem Aufschwung dürfte ein Anstieg der Inflationsraten einhergehen. Die Teuerung dürfte aber in Europa und den USA unter den Zielbändern der Zentralbanken verweilen.

 

  • Aktien, Unternehmensanleihen und Immobilien erscheinen vielfach teuer bewertet. Im Niedrigzinsumfeld ist aber die relative Attraktivität zentral und diese ist bei diesen Anlagen nach wie vor gegeben. Anleger werden aber zunehmend weniger für das Risiko kompensiert.
  • Bei den Sektoren dürften primär Unternehmen in zyklischen Branchen vom erwarteten Aufschwung profitieren.
  • Die globale Impfkampagne schreitet langsam voran, aber logistische Hürden sowie Skepsis hinsichtlich der Impfstoffe behindern das Erreichen einer Herdenimmunität und verzögern die wirtschaftliche Normalisierung in gewissen Regionen.
  • Ein allfälliges Zögern hoch verschuldeter Staaten, auch bei einer anhaltenden Pandemie weitere Unterstützungsmassnahmen zu sprechen, würde die konjunkturelle Erholung gefährden und eine Korrektur an den Finanzmärkten auslösen.

In den Wintermonaten wurden in vielen Ländern die Coronarestriktionen verschärft, u.a., um den Ausbruch der neuen Mutationen des Coronavirus, welche in England und Südafrika entdeckt wurden, zu unterbinden. Diese Mutationen sind potenziell um bis zu 70 % ansteckender als bisher bekannte Varianten. Die aktuellen Einschränkungen sind aber in der Tendenz mit Ausnahme von Grossbritannien weniger einschneidend als diejenigen vom Frühjahr 2020. Konjunkturdaten, wie die Einkaufsmanagerindizes, schwächten sich im Dezember zwar leicht ab, blieben aber insgesamt noch relativ robust. Auch bei den hochfrequenten Mobilitätsdaten von Google, welche gute Vorlaufindikatoren für die Konjunkturentwicklung sind, fällt der jüngste Einbruch in der Summe weniger stark aus als im März 2020 (Grafik). Die Lockdowns sind zudem unterschiedlicher hinsichtlich Ausmass und Dauer und die Lieferketten bleiben intakt. Eine weitere Abschwächung besonders im Dienstleistungssektor ist trotzdem zu erwarten. Und je länger die Massnahmen bestehen bleiben, desto schädlicher sind natürlich die konjunkturellen Folgen.

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Quellen: Baloise Asset Management, Google Mobility Report per 08.01.2021

Anlass zur Hoffnung gibt der weltweite Start der Impfungen gegen das Coronavirus. In unserem Basisszenario* gehen wir davon aus, dass die verschiedenen Eindämmungsmassnahmen mit den ansteigenden Impfraten bis Mitte Jahr kontinuierlich zurückgenommen werden. Die Weltwirtschaft dürfte somit das Schlimmste hinter sich haben. Nach einem verhaltenen 1. Quartal erwarten wir folglich gegen Mitte des Jahres einen stärkeren Aufschwung, getrieben von Aufholeffekten beim Konsum. Erwähnenswert ist, dass die Erholung je nach Region und Sektor unterschiedlich stark ausfallen dürfte. Während Chinas Wirtschaft bspw. bereits wieder ihr Vorkrisenniveau erreicht hat, dürfte Italien noch deutlich länger mit den Folgen der Pandemie zu kämpfen haben.

 

*Mehr zu unseren Szenarien erfahren Sie in der monatlich publizierten Baloise Market View.

Insgesamt dürften vielerorts die Arbeitslosenzahlen und Insolvenzmeldungen noch ansteigen, denn historisch betrachtet erreichen Konkurse ihren Höhepunkt erst etwa ein Jahr nach dem ersten Wachstumseinbruch. Seitens der Inflation ist ein Anstieg der aktuell niedrigen Raten zu erwarten, jedoch nicht so stark, dass die Inflationsziele der Zentralbanken erreicht werden. Der Ausblick bleibt stark abhängig vom weiteren Verlauf der Pandemie und der globalen Impfaktion und ist entsprechend mit hoher Unsicherheit behaftet.

Schweiz: Robuster Aussenhandel wirkt der Schwäche des Dienstleistungssektors entgegen. Vorlaufende Konjunkturindikatoren, wie das KOF-Barometer, stagnierten gegen Ende 2020. Angesichts der jüngst ergriffenen Massnahmen gegen das Virus sind auch die Aussichten für das 1. Quartal 2021 getrübt. Die Massnahmen bremsen nach wie vor primär die Dienstleister aus. Positive Wachstumsimpulse kommen hingegen aus der Industrie, denn diese profitiert von der starken Nachfrage aus Nordasien, namentlich China, aber auch Japan und Südkorea. Der Arbeitsmarkt hat sich ebenfalls etwas aufgehellt. Die procure.ch-PMI-Umfrage zeigt, dass der Anteil der Industrie-Angestellten in Kurzarbeit im Dezember bei 9 % lag. Im Oktober waren es noch 14 %. Im Dienstleistungs-sektor nahm die Nutzung der Kurzarbeit seit Oktober (6 %) wieder etwas zu und lag im Dezember bei 8 %. Die Spuren der Pandemie am Arbeitsmarkt führen zu Einkommenseinbussen bei Haushalten, welche wiederum weniger konsumieren. Die Umfrage des SECO zur Konsumentenstimmung bestätigt, dass viele Haushalte aufgrund der hohen Unsicherheit weiterhin vor grösseren Anschaffungen zurückschrecken. Auch Unternehmen investieren weniger. Die schwächere Nachfrage und der starke Schweizer Franken sind entsprechend stark deflationäre Treiber. Die SNB rechnet daher aktuell erst im 2. Quartal 2021 wieder mit einer positiven Inflationsrate.

USA: Das Jahr beginnt mit einem neuen Hilfspaket und einer neuen Regierung. Die Erholung verlor in den letzten Monaten etwas an Dynamik. Das jüngste Paket der Regierung im Umfang von 900 Mrd. USD, d.h. rund 4,25 % des US-Bruttoinlandprodukts, sollte der Wirtschaft aber wieder etwas Schwung verleihen. Zudem steht nach der Senats-Stichwahl in Georgia auch fest, dass die Demokraten nun die Mehrheit im Repräsentantenhaus sowie im Senat haben. Dies erleichtert es Präsident Joe Biden, seine Agenda in den nächsten Jahren durchzusetzen. Kurzfristig erwarten wir daher noch mehr fiskalpolitische Massnahmen. Mit diesen zusätzlichen Impulsen dürften das BIP-Wachstum sowie die Inflationsdynamik etwas beschleunigt werden. Aktuell rechnet die US-Notenbank (Fed) mit einer Expansion des BIP von 4,2 % für 2021, nach einem Wachstumseinbruch von 2,4 % im Jahr 2020. Erwartet wird zudem eine Inflationsrate von 1,8 %. Längerfristig, d.h. nach der Erholung vom Coronaschock, könnten gemäss Bidens Plan Steuererhöhungen für die Reichen sowie Unternehmen folgen, was die Konjunkturdynamik wieder etwas zügeln würde.

EU: Ein Abkommen in letzter Minute. Kurz vor Ablauf der Übergangsfrist konnten sich die EU und das Vereinigte Königreich auf eine neue Handelsbeziehung einigen. Diese beruht im Kern auf einem Freihandelsabkommen, das weder Zölle noch Quoten vorsieht. Ein wichtiger Schritt für beide Seiten, denn somit konnte die Gefahr von bedeutenden Handelshemmnissen innerhalb von Europa abgewendet werden. Während die politische Unsicherheit damit schwindet, verschärft sich die Coronakrise. Die Konjunkturdaten fielen trotz neuer COVID-19-Restriktionen im Dezember relativ robust aus. So zeigen die jüngsten PMI-Daten für den Euroraum eine Verbesserung gegenüber November. Die regionalen Unterschiede sind jedoch markant. Während aus Deutschland, dank dem boomenden Exportgeschäft, Wachstumsimpulse kommen, zeigt Italiens PMI von 43 Punkten ein düsteres Bild. Mit den nun auch in Deutschland strikteren Lockdown-Massnahmen dürfte der konjunkturelle Jahresauftakt für den gesamten Euroraum verhalten ausfallen. Aktuell schätzt die Europäische Zentralbank (EZB), dass sich das reale BIP-Wachstum von –7,3 % im Jahr 2020 auf 3,9 % im Jahr 2021 erholen wird. Auch ist ein Anstieg der Inflation von –0,3 % auf 1,0 % zu erwarten. Dies reflektiert in erster Linie die tiefe Basis und keine Überhitzung der Wirtschaft. Die Teuerung dürfte gemäss Prognosen der EZB auch im Jahr 2023 noch unter dem Ziel von nahe 2 % liegen.

China: Mit einer V-förmigen Erholung aus der Krise. Bereits zum Halbjahr 2020 konnte Chinas Wirtschaft ihr Vorkrisenniveau wieder überschreiten. Der Internationale Währungsfonds erwartet für das Jahr 2020 eine Expansion des BIP von 1,9 %; damit ist China eines der wenigen Länder, die für das Krisenjahr ein positives Wachstum ausweisen dürften, obwohl es natürlich im Vergleich zu den Wachstumsraten von über 6 % in den Vorjahren bescheiden ausfällt. Ob China die Pandemie wirklich unter Kontrolle hat und das Ansteckungsrisiko im Zaum halten kann, wird sich beim Neujahrsfest im Februar zeigen. Falls dies gelingt, dürfte allmählich auch die private Konsumnachfrage ansteigen, welche bis anhin verhaltener ausfiel als die Erholung der Industrie. Die Regierung dürfte dann die wirtschaftspolitischen Massnahmen graduell zurückfahren. Dies könnte zu höheren Kredit-Ausfallraten führen, v.a. bei nicht profitablen Staatsunternehmen.

Regierungen weltweit reagierten mit beispiellosen Hilfspaketen auf die Coronakrise. Als Folge schnellte die globale Staatsverschuldung im letzten Jahr in die Höhe. Die Schulden der Industriestaaten sind im Jahr 2020 um ca. 20 Prozentpunkte angestiegen und liegen aktuell bei knapp 125 % des BIP. Die Verschuldung ist nun so hoch wie zuletzt während des Zweiten Weltkriegs. Eigentlich müsste eine solche Entwicklung zu steigenden Risikoprämien und zu einem starken Anstieg der Zinsen führen. Die Zinssenkungen und die Kaufprogramme der Zentralbanken unterbinden dies aber. So können Regierungen nach wie vor sehr günstig Schulden aufnehmen, welche zu einem signifikanten Teil auf den Bilanzen der Zentralbanken landen. Mitte 2020 hielt z.B. die japanische Notenbank 40 % aller ausstehenden japanischen Staatsschulden auf ihrer Bilanz (Grafik). Auf der anderen Seite des Globus hält die Fed 17 % aller ausstehenden Schulden der amerikanischen Regierung. Vor der Pandemie waren es lediglich 10 %.

Ausgehend von der Absicht, alles Erforderliche zu tun, um die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie abzufedern, dürfte sich dieser Trend in absehbarer Zeit auch nicht umkehren. So hat die EZB jüngst ihr Kaufprogramm bis mindestens Ende März 2022 verlängert. Die Finanzmärkte werden somit weiterhin stark von der Wirtschaftspolitik getrieben und das Tiefzinsumfeld wird uns noch lange erhalten bleiben. Staatsanleihen sind in diesem Kontext für Anleger unattraktiv und dienen im Portfoliokontext primär der Diversifikation. Investoren dürften weiter Renditequellen in risikoreicheren Anlageklassen, wie Aktien oder Unternehmensanleihen, suchen, was deren Risikoprämien unter Druck setzt. Entsprechend werden Anleger immer weniger für das eingegangene Risiko entschädigt.

Quellen: Baloise Asset Management, IWF per 30.10.2020

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Politiker und Anleger gleichermassen setzen viel Hoffnung in die globale Impfkampagne, allerdings bestehen signifikante Hürden. Die ersten Studienergebnisse zu den Coronaimpfstoffen, welche einen hohen Schutz gegen das Virus aufweisen, lösten starke Kursavancen an den Aktienmärkten aus. Besonders Sektoren, wie Energie, welche stark unter der Pandemie leiden, profitierten (siehe hier). Investoren sahen Licht am Ende des Tunnels und zahlreiche Gesundheitsämter bewilligten in ungewöhnlicher Geschwindigkeit bereits Ende 2020 die ersten Impfstoffe. In den letzten Wochen wurde jedoch klar, dass immer mehr Regierungen ihren ambitionierten Impfkampagnen hinterherhinken. Die USA wollten bspw. im Dezember 20 Millionen Amerikaner impfen, erhalten haben das Vakzin schlussendlich aber nur 2,8 Millionen. Dass weniger als 15 % des Ziels erreicht wurden, ist hauptsächlich auf die fehlenden Lieferketten bzw. fehlende Infrastruktur für die schnelle Massenimpfung sowie die mangelnde Koordination zwischen den Staaten und den Spitälern zurückzuführen. Während in der EU die Impfaktion noch langsamer voranschreitet als in den USA, konnten, dank eines starken Gesundheitssystems, bereits rund 21,7 % der israelischen Bevölkerung geimpft werden.

Neben den logistischen Problemen herrscht in gewissen Regionen auch eine hohe Skepsis bezüglich der neuen COVID-19-Vakzinen vor. Niedrige Impfraten stehen dem Ziel der Herdenimmunität im Weg und behindern damit die gesellschaftliche und wirtschaftliche Normalisierung. Wissenschaftler schätzen, dass zwischen 60 % und 80 % der Bevölkerung geimpft werden müssen, um die Herdenimmunität zu erreichen. Eine so hohe Bereitschaft ist aber besonders in Europa nicht überall gegeben. Eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Ipsos vom Dezember 2020 zeigt, dass sich nur 40 % der Franzosen gegen das Coronavirus impfen lassen möchten (Grafik). Die Angst vor Nebenwirkungen ist dabei der Hauptgrund für die Ablehnung

Quelle: Baloise Asset Management, Our World in Data 11.01.2021

Das Fazit ist, dass die grossen Hoffnungen der Anleger und die hochambitionierten Ziele gewisser Regierungen Enttäuschungspotenzial bergen und somit kurzfristige Volatilität an den Märkten auslösen könnten. Zudem deuten die aktuellen Impfstrategien und -raten sowie die teils tiefe Impfbereitschaft darauf hin, dass gewisse EU-Staaten, wie Frankreich, anderen Industriestaaten hinsichtlich der Erholung, konjunkturell und bezogen auf die Finanzmarktentwicklung, hinterherhinken dürften.

Quelle: Baloise Asset Management, Ipsos-Umfrage vom 17. bis 20.12.2020.

Stichprobe von 13 542 Erwachsenen aus Kanada, Südafrika, USA, Australien, Brasilien, China, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan, Mexiko, Russland, Südkorea, Spanien und dem Vereinigten Königreich (UK).

Rückblick: Das 4. Quartal folgte dem im vorherigen Quartal beobachteten Trend, sich einengender Kreditspreads. Sowohl bei Euro-Anleihen als auch beim US-Dollar befinden sich die Kreditspreads wieder auf Vorkrisenniveau. Die sehr lockere Geldpolitik der Zentralbanken und die grosszügige fiskalpolitische Unterstützung fanden im 4. Quartal ihre Fortsetzung, wodurch der Obligationenmarkt weiter an Stabilität gewann. Mit der Aufstockung des Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) um weitere 500 Mio. EUR auf nun insgesamt 1,85 Mrd. EUR und der Verlängerung der Laufzeit des Kaufprogramms um weitere neun Monate bis mind. März 2022 untermauerte die EZB ihre Bereitschaft, auch in Zukunft stark auf den Obligationenmarkt Einfluss zu nehmen.

OAS: Differenz der Rendite einer Unternehmensanleihe und einer risikofreien Anleihe (bspw. US-Treasuries), unter Berücksichtigung von möglichen Call-/Put-Optionen. Quellen: Baloise Asset Management, Bloomberg Finance L.P, per 10.01.2021

Auch die sich im 4. Quartal 2020 weltweit ausbreitende zweite Welle von Coronainfektionen und die wiederkehrenden Lockdowns konnten die Marktstimmung nicht trüben. Es überwog stattdessen der Optimismus im Zusammenhang mit den im Dezember gestarteten Impfungen. Dies wird bspw. anhand der Entwicklung der US-Kreditspreads zwischen dem A-Segment und dem BBB-Segment deutlich. Infolge der Corona-Pandemie hatten Investoren im März verstärkt nach guter Qualität auf dem Obligationenmarkt gesucht, woraufhin sich die Kreditspreads mit über 150 Basispunkten (Bps) in kürzester Zeit mehr als verdoppelt hatten. Seit Anfang Dezember 2020 sind die Kreditspreads zwischen den beiden Segmenten wieder auf dem Vorkrisenniveau angelangt und beim US-Dollar befinden wir uns zu Beginn des Jahres 2021 mit 47 Bps auf dem niedrigsten Niveau seit April 2018.

Ausblick: Was die Coronavirus-Pandemie betrifft, haben wir zwei Hauptsorgen. Erstens könnte die jüngste Coronavirus-Mutation (oder neue Varianten) weitere Infektionswellen auslösen, gefolgt von länger anhaltenden Lockdowns. Zweitens sehen wir signifikante Herausforderungen dabei, einen grossen Teil der Bevölkerung innerhalb von wenigen Monaten zu impfen (siehe «Fokus»). Daher gehen wir davon aus, dass die Zentralbanken weltweit an ihrer lockeren Geldpolitik festhalten werden. Dies ist auch der Grund, warum wir trotz einiger Inflationsängste, die sich in den USA entwickeln, kurzfristig keine wesentlich höheren Zinssätze erwarten. Die Kreditspreads befinden sich momentan auf einem niedrigen Niveau. Insbesondere Obligationen im BBB-Segment erscheinen aktuell verhältnismässig teuer, weswegen wir Neuanlagen in diesem Segment, welches sich in den letzten sechs Monaten extrem gut entwickelt hat, als weniger attraktiv erachten.

Quellen: Baloise Asset Management, Bloomberg Finance L.P, per 10.01.2021

OAS: Differenz der Rendite einer Unternehmensanleihe und einer risikofreien Anleihe (bspw. US-Staatsanleihen), unter Berücksichtigung von möglichen Call/Put-Optionen.

Rückblick: Das Jahr 2020 war ein aussergewöhnliches Aktienjahr. Nachdem die globalen Börsen innerhalb von 24 Handelstagen um 34 % fielen, legten die Märkte im Anschluss eine erstaunliche Rally hin. Pandemieängste sorgten zwar zwischendurch für Volatilität, aber die weltweite Tiefzinspolitik der Notenbanken und die grosszügigen Hilfspakte der Regierungen befeuerten die Börsen. Starke Unterschiede zwischen den Sektoren waren jedoch zu verzeichnen. Technologie-Titel profitierten von der coronabedingten Digitalisierungswelle, während dem Energie-Sektor der massive Nachfrageeinbruch bei der Mobilität zu schaffen machte. Der amerikanische Aktienindex S&P 500, in welchem Tech-Giganten wie Apple und Amazon ein grosses Gewicht haben, erreichte folglich eine Jahresperformance von 16,3 %. Der defensivere Swiss Market Index (SMI) und der Euro Stoxx 50, welcher zu rund 15 % aus Banken-Titeln besteht, erholten sich seit den Tiefs Ende März ebenfalls stark, aber die Performance von 0,8 %, bzw. –5,1 % ist nicht mit den USA vergleichbar.

Ausblick: Mit dem Voranschreiten der globalen Impfkampagne steigt die Hoffnung auf eine Normalisierung des Alltags und somit auf einen konjunkturellen Aufschwung. Davon profitieren tendenziell zyklische Branchen, wie z.B. Industrieunternehmen und Rohstofferzeuger, d.h. genau die Titel, welche bisher unterdurchschnittlich abgeschnitten haben. Wir sehen hier daher Aufholpotenzial.

Quellen: Baloise Asset Management, Bloomberg Finance L. P., per 08.01.2021

Die Bewertungen der meisten Märkte sind momentan weit überdurchschnittlich. Aktien sind somit insgesamt teuer. Wir glauben aber, dass diese hohen Bewertungen noch länger Bestand haben werden, denn aufgrund der niedrigen Zinsen bleibt die Anlageklasse gefragt. Eine Dividendenrendite von 3 %, wie sie für den SMI dieses Jahr erwartet wird, stellt im aktuellen Umfeld eine attraktive Renditequelle dar. Luftige Bewertungen bergen jedoch auch ein erhöhtes Risiko für Kurskorrekturen, besonders, falls die Erholung der Unternehmenszahlen, welche in den Preisen bereits weitgehend enthalten ist, enttäuschen sollte. Viel Raum für positive Überraschungen besteht daher nicht.

Rückblick: In Zeiten der Unsicherheit ist der Schweizer Franken gefragt, denn dieser gilt für Investoren als sicherer Hafen. So handelte der Euro-Franken-Kurs zwischenzeitlich bei 1,05, was einer Schweizer-Franken-Aufwertung von 2,8 % gegenüber dem Jahresanfang entspricht. Um der Stärke des Schweizer Franken entgegenzuwirken, intervenierte die SNB am Devisenmarkt. Die Sichtguthaben bei der SNB, welche als Indiz für eine Intervention gelten, stiegen im ersten Halbjahr um über 20 % an. Einen solch starken Anstieg gab es zuletzt vor der Aufhebung des Mindestkurses. Zum Jahresende betrug die Aufwertung des Schweizer Frankens zum Euro dann nur noch 0,4 %.

Auch der US-Dollar gewann an Wert zu Beginn der Coronakrise. Nach den Zinssenkungen und der beispiellosen Liquiditätsversorgung des Finanzsystems durch die Fed schwächte sich der US-Dollar dann aber stark ab. Gegenüber dem Schweizer Franken verlor der Greenback 8,4 % und vis-à-vis dem Euro beinahe 9 % im Verlauf von 2020.

Quellen: Baloise Asset Management, Bloomberg Finance L. P., per 08.01.2021

Ausblick: Aufgrund der Devisenmarktinterventionen setzte das US-Schatzamt die Schweiz auf ihre Liste der Währungsmanipulatoren und drohte mit Sanktionen. Die SNB will währungspolitisch aber aktuell nichts ändern, denn laut Nationalbankpräsident Thomas Jordan greift die SNB nur in den Devisenmarkt ein, um ihr Mandat zu erfüllen, also die Preisstabilität zu erhalten. Die SNB plant daher, Washington im Rahmen von bilateralen Gesprächen davon zu überzeugen. Die Euro-Franken-Entwicklung dürfte daher weiterhin von einer gewissen Stabilität geprägt sein. Wir gehen davon aus, dass der Druck auf den Schweizer Franken mit der Erholung der Weltkonjunktur gegen Mitte Jahr abnimmt, was der SNB wieder etwas mehr Spielraum geben sollte.

Zwischenzeitlich könnte eine weitere Ansteckungswelle den US-Dollar als sicheren Hafen wieder aufwerten lassen. Eine klare Trendwende der US-Dollar-Schwäche ist kurzfristig dennoch nicht absehbar. Die Treiber für die Abwertung, d.h. der Rückgang des Zinsvorteils der US-Währung und die massive Liquidität, bleiben intakt.

Rückblick: Im Schweizer Mietwohnungssektor liegt die Leerwohnungsziffer per Ende 2020 bei 1,72 % (2019: 1,67 %). Die regional heterogene Verteilung der Leerstände setzte sich weiter fort: Während in Wirtschaftszentren und steuergünstigen Kantonen sehr wenige Wohnungen leer stehen, liegt die Leerwohnungsziffer in den Kantonen SO, VS, TI und AI zwischen 5,3 % und 6,5 %.

Im 4. Quartal lag die Performance von Immobilienfonds gemäss SXI Swiss Real Estate Funds Total Return Index bei +10,8 %. Dahingegen beendeten Immobilienaktien das Jahr mit einer Performance von –6,7 %. Die Divergenz bezüglich der Performance zwischen diesen beiden Gruppen ergibt sich aus ihrer Nutzungsstruktur und der entsprechenden Sensitivität gegenüber COVID-19: Auf Basis der Marktkapitalisierung bestehen Immobilienfonds mehrheitlich aus Wohnimmobilien, wohingegen Immobilienaktiengesellschaften grösstenteils Retail-, Hotel- und Büroimmobilien umfassen.

Quellen: Baloise Asset Management, Bloomberg Finance L. P., per 11.01.2021

Ausblick: Sofern die Bautätigkeit nicht weiter markant zurückgeht, dürfte das Überangebot an Mietwohnungen noch weiter zunehmen und die Angebotsmieten je nach Region weiter sinken. Investoren präferieren im herrschenden Tiefzinsumfeld weiterhin Wohnrenditeimmobilien. Gemäss PwC lag der minimale reale Diskontsatz einer neuwertigen, mittelgrossen Wohnrenditeliegenschaft in Zürich im Oktober 2020 bei 1,93 %.

Aufgrund der Trägheit des Marktes für kommerzielle Flächen und der massiven finanziellen Hilfen durch die öffentliche Hand (Kurzarbeitsentschädigung und Überbrückungskredite) zeigt sich aktuell noch keine Trendwende.

National- und Ständerat haben in der Wintersession 2020 das Geschäftsmietegesetz abgelehnt und sich damit gegen einen Eingriff des Staates in privatrechtliche Verträge ausgesprochen.

Der seit dem 22. Dezember 2020 schweizweit geltende Teil-Lockdown für Restaurants sowie Freizeit-, Sport- und Kultureinrichtungen wurde am 13. Januar 2021 vom Bundesrat in Abstimmung mit den Kantonen bis Ende Februar 2021 verlängert. Ab dem 18. Januar kommt es zusätzlich zu Ladenschliessungen. Immobilienportfolios mit hoher Allokation in Hotel-, Gastronomie- und Freizeitimmobilien sind daher gegenüber Mietzinsausfällen und Verkehrswertrückgängen weiterhin am stärksten exponiert.

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Senior Economist, Investment Strategy
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Head of Investment Strategy
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Philipp Karstens
Immobilien-Portfoliomanager (Drittkundenmandate)
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